Depressionen sind nicht sexy - oder warum niemand darüber spricht...

Depression - ein Begrifft, den wir häufig hören. Eine Diagnose, die das Leben von Betroffenen und Angehörigen nachhaltig beeinträchtigt. 

Was jedoch ist eine Depression? Was bedeutet die Diagnose: Depression? 

Grundlegend ist klarzustellen: Depressionen sind eine ernstzunehmende Erkrankung. Die Depression (lat. deprimere = niederdrücken) ist eine psychische Störung und wird in der Psychiatrie den affektiven Störungen zugeteilt. Eine Diagnose ist aufgrund der vielfältigen Erscheinungsformen oft schwierig. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Betroffene oft lange Zeit leiden, bevor sie sich Hilfe suchen. Zudem kommt das gesellschaftliche Stigma hinzu. Depressionen werden immer noch heruntergespielt, nicht ernstgenommen und leider von Vielen - sei es aufgrund Unwissenehit oder Ignoranz - verharmlost. Denn klar ist auch: Depressionen sind nicht sexy. Sie sind kein attraktives Gesprächsthema, nicht unterhaltsam oder für Party-Smalltalk geeignet. Klar muss uns in diesem Zusammenhang aber auch sein: für Betroffene und deren Angehörige sind Depressionen ebenfalls nicht sexy. Und genau deshalb dürfen Depressionen kein Tabuthema bleiben. 

Eine Depression kann jeden treffen, völlig unabhängig von Geschlecht, Religion, gesellschaftlichem Status oder dem Kontostand. Die Ursachen einer Depression sind trotz intensiver Forschung noch nicht völlig geklärt. Jedoch weiß man heute, es gibt sowohl psychische als auch körperliche und genetische Ursachen. In den meisten Fällen sind Depressionen gut behandelbar, manchmal auch heilbar. Auch Störungen in der Kindheit können ursächlich für Depressionen sein.

Betroffene berichten nicht nur von (u.a.) massiver Traurigkeit, dauerhaft gedrückter Stimmung, Freud- und Gefühllosigkeit, sondern auch von unklaren Schmerzen, Müdigkeit, Libidoverlust, Kraft- und Energielosigkeit sowie Schlafstörungen. Man darf auch nicht verschweigen, das in vielen Fällen Suizidabsichten bestehen. Für die Betroffenen ist der Leidensdruck oft einfach zu stark, die Kräfte verlassen einen, man sieht keinen Ausweg mehr. Traurigkeit und Verzweiflung nehmen Überhand. Der einzige Ausweg scheint der Tod zu sein. Viele Erkrankte äußern den Wunsch, einfach einzuschlafen und nicht mehr aufzuwachen. Dieses lähmende Nichts nicht mehr ertragen zu müssen. 

Wenn wir uns dies bewusst vor Augen führen, muss jedem klar sein, wie schwerwiegend und einschneidend diese Erkrankung ist. Wie tief und belastend die Trauer, der Schmerz der Betroffenen sein muss. Und wie hilflos und verzweifelt auch die Angehörigen in diesen Situationen einer Erkrankung ausgeliefert sind, die so übermächtig ins Leben tritt und dabei doch so ungreifbar ist. Führen wir uns bitte ganz klar vor Augen: wie entsetzlich verzweifelt muss ein Mensch in seiner inneren Trauer, Verzweiflung, Mutlosigkeit, Freudlosigkeit gefangen sein, damit der Tod als einzige Erlösung erscheint? Jedem sollte spätestens hier klar werden: Depressionen sind kein Spaß .Das Herunterspielen dieser Erkrankung ist verletzend und in jedem Fall unangebracht. Und damit muss auch klar sein: Sätze, wie "man muss sich auch zusammenreißen!" oder "jedem geht´s mal schlecht!" zeigen nur, dass der, der sie ausspricht, nicht ansatzweise verstehen will, was der Betroffene und die Angehörigen durchmachen. 

In den letzten Jahren berichten immer mehr Menschen, auch Prominente, öffentlich von ihren Depressionen und ihrem Kampf gegen diese Erkrankung. Und immer wieder hört man von Menschen, die diesen Kampf verloren haben. Erschüttert stellen wir dabei oft fest: gerade die Menschen, die sich vermehrt um andere gekümmert haben oder als besonders lustig, humorvoll und unterhaltsam galten, haben einen langen Leidensweg der Depression hinter sich. Warum gerade Menschen die oft so fröhlich scheinen? Vielleicht, weil gerade die Menschen, die tiefste Dunkelheit kennen, besonders stark das Licht und die Freude zu schätzen wissen und jeden Moment davon auskosten und teilen möchten.

Depression bedeutet für die Betroffenen Verzweiflung und Mutlosigkeit, Trauer und Hoffnungslosigkeit. Durch Gesprächstherapien, einfühlsame, kompetente Beratung und medikamentöse Therapien kann den Erkrankten gut geholfen werden. Auch Maßnahmen wie z.B. Kunst- oder Musiktherapie und verschiedene Entspannungsformen unterstützen die Therapie. Damit Betroffene sich jedoch auch Hilfe suchen können, brauchen sie Unterstützung und Verständnis. Nicht Stigmatisierung und Vorurteile.  

Depressionen sind nicht sexy. Und genau deshalb spreche ich darüber! Für die Betroffenen und deren Angehörige. Für all jene, die aus dem Leben geschieden sind, weil die Depression übermächtig wurde. Eine Erkrankung tabuisieren und totschweigen hilft niemandem. Im Gegenteil, denn Hilfe ist möglich. Schauen Sie hin. Sprechen Sie darüber. Denn niemand darf mit einer Depression allein gelassen werden.

Herzlichst,

Ihre Sabine Fröschl

Veröffentlicht von Soulbalance am 07 Jun 2018 • Kommentare:0  • Aufrufe: 560

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